Alois Schwarzmüller

Beiträge zur Geschichte des Marktes Garmisch-Partenkirchen im 20. Jahrhundert

 

 

Hermann Levi und Partenkirchen

Am 15. Juli 1898  wurde neben Wilhelm von Miller und Philomena Humplmayr auch Hermann Levi das Ehrenbürgerrecht der Marktgemeinde Partenkirchen “in Anbetracht der von denselben der Gemeinde erwiesenen Wohltaten“ verliehen:

Aus dem Beschlussbuch der Marktgemeinde Partenkirchen, 12. Juli 1889

 

Da im Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen außer den Einträgen im Beschlussbuch  der Marktgemeinde Partenkirchen, Bd. V (1897/99) und B 17, III (1892/99) keine weiteren Unterlagen zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Hermann Levi vorhanden sind und auch der Werdenfelser Anzeiger für das Jahr 1898 im Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen nicht vorhanden ist, können Spenden und Wohltaten Levis für Partenkirchen nur aus Zeitungsausschnitten und Akteneinträgen belegt werden.

Spende für die Wasserleitung Partenkirchen:

Marktarchiv Partenkirchen, II, 25

 

Auch nach seiner Ernennung zum Ehrenbürger haben Hermann Levi und seine Frau Mary die Marktgemeinde Partenkirchen großzügig unterstützt:

Werdenfelser Anzeiger, 31. Mai 1899

Den 60. Geburtstag konnte Levi noch in Partenkirchen feiern:

Werdenfelser Anzeiger,  7. November 1899

 

1900 erkrankte Levi schwer. Er wurde nach München gebracht und starb dort, nach einer Operation, sechs Wochen später. Die Nachricht von seinem Tod meldete der Werdenfelser Anzeiger:

 

Werdenfelser Anzeiger,  16.05.1900

 

Die Beerdigung Levis fand in München statt. Die Grabrede wurde vom Münchner Generalintendanten Baron Perfall gehalten:

Loisachbote,  17. Mai 1900

 

Die sterblichen Überreste Hermann Levis wurden am 30. November 1900 von München nach Partenkirchen überführt:

Marktarchiv Partenkirchen, XII, 40

 

Verehrung und Achtung für den verstorbenen Ehrenbürger Hermann Levi muss sehr groß gewesen sein, sonst wäre seiner Frau nicht die Erlaubnis erteilt worden, eine Grabstätte außerhalb des Friedhofs zu errichten.

Werdenfelser Anzeiger, 05.12.1900

 

Levis Witwe Mary Levi hat wohl auch deshalb einen großen Betrag an die Marktgemeinde Partenkirchen gespendet:

Werdenfelser Anzeiger, 27.12.1900

 

Seine Bedeutung als Ehrenbürger und die Erinnerung an ihn zeigte die Marktgemeinde Partenkirchen auch beim Beschluß der Straßenbenennung am 26.03.1925 in Hermann-Levi-Weg.

Beschlussbuch der Marktgemeinde Partenkirchen (8.1.1925 - 23.6.1927)

 

1934/1935 wurde der Hermann-Levi-Weg vom Marktgemeinderat Partenkirchen in Theodor-Fritsch-Straße umbenannt. Theodor Fritsch war 1933 ggestorben, aber mit seinen Schriften (u.a. "Antisemiten-Catechismus") ein Ideologe ganz im Sinne der Nationalsozialisten.

1945 wurden viele Straßen wieder rück- bzw. umbenannt, um die Spuren des Nationalsozialismus zu beseitigen. Die Theodor-Fritsch-Straße erhielt den neuen Namen Karwendelstraße und wurde nicht wieder in Hermann-Levi-Weg rückbenannt.

In den folgenden Jahren gerieten Mausoleum und Gruft von Hermann Levi und wohl auch die Erinnerung an ihn in Vergessenheit.

Erst 1957, nach dem Ausbau der Leitenfeldstraße, stellte Generalkonsul Dr. Hans Lerch - auf dessen Grundstück sich Levis Grabstätte befand - einen Antrag auf Abbruch des Mausoleums, dem auch stattgegeben wurde:

Bauausschussbeschlüsse des Marktes Garmisch-Partenkirchen 1957

 

 

Die Gruftöffnung erfolgte vermutlich nicht. Deshalb  ließ Generalkonsul Dr. Hans Lerch den Leichnam auch nicht umbetten, wie er es eigentlich vorgeschlagen hatte (vgl. Gruftöffnung 2018).

Bei einer Begehung mit der Denkmalschutzbehörde im Jahre 1986 wurde angeregt, die noch verbliebene Marmorplatte, die auf der Gruft lag, und die Gruft selber in die Denkmalschutzliste aufzunehmen. Dies geschah 1991.

1996 wurde die Marmorplatte von Anton Häsch und Franz Wörndle (beide Mitarbeiter der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen) gesäubert und fotografiert. Am 06.11.1996 wurde ein Gespräch mit  der ehemaligen Hausmeisterin Frau Lipf geführt, in dem sie mitteilte, dass  1957 die „Reste“ des Mausoleums beseitigt worden seien.

Ab dem Jahr 2006 bemühte sich der Musikwissenschaftler und Musiker Anthony Morris aus Kaltenbrunn für Hermann Levi eine entsprechende Gedenkstätte bzw. einen Neubau des Mausolems errichten zu lassen. Zahlreiche Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde, dem Bauamt und dem Grundstücksbesitzer Ecko Eichler wurden bis 2009 geführt, allerdings ohne Ergebnis.

Alois Schwarzmüller schlug 2008 vor, den Kurpark Partenkirchen in Hermann-Levi-Park umzubenennen. Der Vorschlag wurde abgelehnt.

2012/13 sollte durch einen Beschluss des Marktgemeinderates Garmisch-Partenkirchen ein Teil der Hindenburgstraße in Hermann-Levi-Straße umbenannt werden. Mit einem Bürgerentscheid auf Veranlassung einer Bürgerinitiative wurde die Umbenennung verhindert.

 

Text und Quellen: Alois Schwarzmüller (Lokalhistoriker) und Franz Wörndle (Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

 

 

 

© Alois Schwarzmüller 2018

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